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Ratgeber

1350 brutto in netto: Was bleibt wirklich übrig? Mythen und Fakten

Bei 1350 Euro brutto monatlich liegt das Netto je nach Steuerklasse, Krankenkasse und Bundesland meist zwischen 1000 und 1100 Euro – pauschale Faustregeln führen hier oft in die Irre.

1350 brutto in netto: Was bleibt wirklich übrig?

Viele Beschäftigte und Jobsuchende fragen sich: 1350 brutto in netto – wie viel kommt davon auf meinem Konto an? Die kurze Antwort: etwa 1.000 bis 1.100 Euro, je nach persönlichen Faktoren. Aber Vorsicht: Rund um dieses Gehalt ranken sich einige Mythen und Fehleinschätzungen. In diesem Artikel räumen wir mit den häufigsten Irrtümern auf und zeigen, worauf du achten musst.

Was bedeutet 1350 Euro brutto überhaupt?

Brutto ist dein Arbeitslohn vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. 1.350 Euro brutto im Monat entsprechen bei einer 40-Stunden-Woche einem Stundenlohn von etwa 8,44 Euro – das liegt deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro (ab 1. Januar 2026). Realistisch ist dieses Brutto also nur bei Teilzeitarbeit, zum Beispiel mit 20 Wochenstunden. Oder es handelt sich um einen Midijob (450–1.600 Euro), bei dem du in der Krankenversicherung ermäßigte Beiträge zahlst.

Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst in Deutschland liegt laut Destatis bei rund 4.784 Euro (Vollzeit, April 2025). 1.350 Euro sind also ein eher niedriges Einkommen – trotzdem unterliegen sie vollen Abzügen, anders als ein Minijob mit 556 Euro.

Die Abzüge im Detail: Steuern und Sozialabgaben

Bei einem Bruttogehalt von 1.350 Euro fallen folgende Posten an:

  • Lohnsteuer: Dein Jahresbrutto beträgt 16.200 Euro. Nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge (siehe unten) bleibt ein zu versteuerndes Einkommen von etwa 12.676 Euro. Der Grundfreibetrag liegt bei rund 12.348 Euro, also sind nur etwa 328 Euro steuerpflichtig. Die Lohnsteuer darauf beträgt je nach Steuerklasse und Bundesland zwischen 0 und 50 Euro. In Steuerklasse I ohne Kinder sind es meist unter 10 Euro.
  • Solidaritätszuschlag: Fällt nur an, wenn Lohnsteuer anfällt – dann 5,5 % davon. Bei 10 Euro Lohnsteuer wären das 0,55 Euro.
  • Krankenversicherung (KV): 8,75 % des Bruttos, plus kassenindividueller Zusatzbeitrag (im Schnitt etwa 1,5 %). Macht rund 10,25 % – hier rechnen wir mit dem DB-Wert von 8,75 % plus durchschnittlichem Zusatzbeitrag, insgesamt etwa 10,25 %.
  • Rentenversicherung (RV): 9,3 %.
  • Arbeitslosenversicherung (AV): 1,3 %.
  • Pflegeversicherung (PV): 2,4 % (bei Kinderlosen, sonst 2,0 %).

Summe der Sozialabgaben (ohne Zusatzbeitrag): 8,75 + 9,3 + 1,3 + 2,4 = 21,75 % = 293,63 Euro. Mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag (ca. 1,5 % von 1.350 = 20,25 Euro) landest du bei etwa 314 Euro. Zieht man die geringe Lohnsteuer ab, bleibt ein Netto von rund 1.025 bis 1.050 Euro.

Wichtig: Das ist eine Schätzung. Deine tatsächlichen Abzüge hängen von Steuerklasse, Kirchensteuer, Kinderfreibeträgen, deiner Krankenkasse und deinem Bundesland ab. Nutze für eine genaue Berechnung den Brutto-Netto-Rechner auf unserer Seite.

Häufige Mythen und Fehler

Mythos 1: „Bei 1.350 Euro brutto bleibt fast alles – das ist fast steuerfrei.“ Stimmt nur teilweise. Zwar ist die Lohnsteuer minimal, aber die Sozialabgaben fressen rund 22 % deines Bruttos. Von 1.350 Euro bleiben also nur etwa 1.050 Euro übrig – das ist ein Unterschied von 300 Euro. Wer mit „fast alles“ rechnet, wird enttäuscht.

Mythos 2: „Brutto minus 20 % ergibt Netto – das gilt immer.“ Wie oben gezeigt, liegen die Abzüge bei diesem Gehalt eher bei 22–23 %. Die Faustregel unterschätzt die Belastung. Bei höheren Gehältern steigt der Steueranteil, sodass die Regel noch ungenauer wird. Besser: immer individuell rechnen.

Mythos 3: „Ich kann einfach in eine günstigere Steuerklasse wechseln, um mehr Netto zu haben.“ Steuerklassen sind an deinen Familienstand gebunden. Als Lediger bist du in Steuerklasse I – ein Wechsel zu III ist nur mit Ehepartner möglich. Auch Steuerklasse II (Alleinerziehende) oder VI (Zweitjob) haben spezielle Voraussetzungen. Ein Wechsel ohne Grund ist nicht erlaubt.

Mythos 4: „Midijob bedeutet weniger Abzüge.“ Im Midijob (450–1.600 Euro) zahlst du in der Krankenversicherung ermäßigte Beiträge, aber die Rentenversicherung wird voll fällig. Die Abzüge sind also nicht dramatisch niedriger. Bei 1.350 Euro brutto im Midijob liegt das Netto oft nur 20–30 Euro höher als bei einem normalen Teilzeitjob – weil die Steuer fast gleich bleibt.

Wie du dein Netto optimieren kannst

Auch wenn du die Höhe deines Bruttos nicht immer beeinflussen kannst, gibt es Stellschrauben:

  • Steuerklasse prüfen: Bist du verheiratet? Dann kann die Kombination III/V oder IV/IV sinnvoll sein. Lass dich von einem Steuerberater beraten.
  • Kirchensteuer: Wenn du aus der Kirche austrittst, entfällt dieser Abzug (ca. 8–9 % der Lohnsteuer).
  • Krankenkasse vergleichen: Der Zusatzbeitrag variiert. Ein Wechsel zu einer günstigeren Kasse kann dir 10–20 Euro im Monat bringen.
  • Werbungskosten geltend machen: Fahrtkosten, Arbeitsmittel, Fortbildungen – alles, was über 1.230 Euro (Arbeitnehmer-Pauschbetrag) liegt, mindert deine Steuerlast. Bei niedrigem Einkommen lohnt sich die Steuererklärung besonders.

Mehr Tipps findest du in unserem Ratgeber rund um Gehalt und Abzüge.

Fazit: Nicht blind vertrauen, sondern nachrechnen

Die Frage „1350 brutto in netto“ lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Spanne reicht von etwa 1.000 bis 1.100 Euro – abhängig von deiner persönlichen Situation. Die größten Fehlerquellen sind pauschale Faustregeln und die Annahme, dass niedrige Bruttogehälter kaum Abzüge haben. Sozialabgaben sind immer fällig, und die Lohnsteuer kann auch bei 1.350 Euro anfallen.

Wenn du dein genaues Netto wissen willst, nutze einen zuverlässigen Rechner oder lass dich von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten. Und denk dran: Auch bei 1.350 Euro brutto lohnt es sich, die Steuererklärung zu machen – oft bekommst du etwas zurück.

FAQ zu 1350 brutto in netto

Frage: Ist 1350 Euro brutto steuerfrei? Nein, nicht komplett. Der Grundfreibetrag liegt bei etwa 12.348 Euro im Jahr (ca. 1.029 Euro pro Monat). Da 1.350 Euro brutto darüber liegen, fällt nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge ein kleiner Teil des Einkommens in die Steuerpflicht. Die Lohnsteuer ist aber meist sehr gering – oft unter 10 Euro. Sozialabgaben werden in voller Höhe fällig.

Frage: Kann ich bei 1350 Euro brutto mehr Netto haben, wenn ich in Steuerklasse III wechsle? Steuerklasse III steht nur Verheirateten oder eingetragenen Lebenspartnern zu, wenn der Partner in Steuerklasse V ist. Als Lediger oder Alleinerziehende ist ein Wechsel nicht möglich. In Steuerklasse III würde die Lohnsteuer tatsächlich sinken, aber das ändert nichts an den Sozialabgaben. Bei diesem niedrigen Brutto ist der Steuervorteil ohnehin gering.

Frage: Stimmt die Faustregel 'Brutto minus 20 Prozent ergibt Netto'? Nein, diese Faustregel ist bei 1.350 Euro brutto ungenau. Die Sozialabgaben betragen rund 21,75 Prozent – das sind schon fast 22 Prozent. Hinzu kommt eine kleine Lohnsteuer. Tatsächlich bleiben etwa 77–78 Prozent des Bruttos übrig, also rund 1.040–1.050 Euro. Die 20-Prozent-Regel unterschätzt die Abzüge leicht. Bei höheren Gehältern steigt der Steueranteil, sodass die Regel noch weniger passt.

Selbst nachrechnen

Beispielorientierung bei etwa 4.500 € brutto (Steuerklasse I).

Abzugswasserfall

Vom Brutto zum Netto

Ziehe am Brutto und wechsle die Steuerklasse — die Abzüge fließen sichtbar ab.

€ brutto

Steuerklasse

Netto / Monat

2.513 €

Abzüge

1.987 €

Brutto
4.500 €
Lohnsteuer
1.008 €
Krankenversicherung
394 €
Rentenversicherung
419 €
Arbeitslosenversicherung
59 €
Pflegeversicherung
108 €
Netto
2.513 €

Schätzung für 2026 (gesetzliche KV, Ø-Zusatzbeitrag). Kein Ersatz für die Entgeltabrechnung.

Häufige Fragen

Ist 1350 Euro brutto steuerfrei?

Nein, nicht komplett. Der Grundfreibetrag liegt bei etwa 12.348 Euro im Jahr (ca. 1.029 Euro pro Monat). Da 1.350 Euro brutto darüber liegen, fällt nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge ein kleiner Teil des Einkommens in die Steuerpflicht. Die Lohnsteuer ist aber meist sehr gering – oft unter 10 Euro. Sozialabgaben werden in voller Höhe fällig.

Kann ich bei 1350 Euro brutto mehr Netto haben, wenn ich in Steuerklasse III wechsle?

Steuerklasse III steht nur Verheirateten oder eingetragenen Lebenspartnern zu, wenn der Partner in Steuerklasse V ist. Als Lediger oder Alleinerziehende ist ein Wechsel nicht möglich. In Steuerklasse III würde die Lohnsteuer tatsächlich sinken, aber das ändert nichts an den Sozialabgaben. Bei diesem niedrigen Brutto ist der Steuervorteil ohnehin gering.

Stimmt die Faustregel 'Brutto minus 20 Prozent ergibt Netto'?

Nein, diese Faustregel ist bei 1.350 Euro brutto ungenau. Die Sozialabgaben betragen rund 21,75 Prozent – das sind schon fast 22 Prozent. Hinzu kommt eine kleine Lohnsteuer. Tatsächlich bleiben etwa 77–78 Prozent des Bruttos übrig, also rund 1.040–1.050 Euro. Die 20-Prozent-Regel unterschätzt die Abzüge leicht. Bei höheren Gehältern steigt der Steueranteil, sodass die Regel noch weniger passt.

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