Ratgeber
Was ist Brutto, was ist Netto? So berechnest du dein Nettogehalt
Bei einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 4.784 Euro monatlich liegt das Netto für einen ledigen Arbeitnehmer in Steuerklasse I ohne Kinder schätzungsweise bei etwa 2.900 Euro.
Was ist Brutto, was ist Netto? Eine Einführung
Wenn du einen Arbeitsvertrag unterschreibst, steht dort dein Bruttogehalt. Doch was ist brutto, was ist netto? Ganz einfach: Das Bruttogehalt ist der Betrag, den dein Arbeitgeber dir vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben zahlt. Das Nettogehalt ist das, was tatsächlich auf deinem Konto landet. Die Differenz sind Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer (falls zutreffend) sowie Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.
In Deutschland ist die Berechnung des Nettogehalts gesetzlich geregelt. Dein Arbeitgeber führt die Abzüge direkt an das Finanzamt und die Sozialversicherungsträger ab. Wie viel netto von deinem Brutto übrig bleibt, hängt von mehreren Faktoren ab: deiner Steuerklasse, deinem Familienstand, der Anzahl der Kinder, deiner Krankenkasse und dem Bundesland. Auch Kirchensteuer kann eine Rolle spielen.
Um dir einen ersten Überblick zu verschaffen, hilft unser Brutto-Netto-Rechner. Damit kannst du schnell dein persönliches Netto ermitteln. Im Folgenden erklären wir dir Schritt für Schritt, wie die Berechnung funktioniert.
Die wichtigsten Abzüge vom Bruttogehalt
Vom Bruttogehalt werden zunächst die Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag berechnet. Die Lohnsteuer richtet sich nach der Steuerklasse und dem zu versteuernden Einkommen. Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 % der Lohnsteuer, wird aber bei niedrigen Einkommen nicht erhoben. Seit 2021 zahlen nur noch Gutverdiener den Soli.
Danach kommen die Sozialabgaben. Für das Jahr 2026 gelten folgende Arbeitnehmeranteile (Stand: On-site Referenz-DB):
- Krankenversicherung (KV): 8,75 % des Bruttos (plus kassenindividueller Zusatzbeitrag, im Schnitt etwa 1,7 %)
- Rentenversicherung (RV): 9,3 %
- Arbeitslosenversicherung (AV): 1,3 %
- Pflegeversicherung (PV): 2,4 % (für Kinderlose; mit Kindern geringer)
Diese Beiträge werden jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen – die genannten Sätze sind der Arbeitnehmeranteil. Die Bemessungsgrenzen (Beitragsbemessungsgrenzen) begrenzen die Höhe der Beiträge. Liegt dein Brutto über der Grenze, zahlst du nur bis zu diesem Betrag.
Zusätzlich kann Kirchensteuer anfallen, wenn du Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft bist. Sie beträgt 8 % oder 9 % der Lohnsteuer, je nach Bundesland.
Beispielrechnung: Vom Brutto zum Netto
Nehmen wir einen ledigen Arbeitnehmer in Steuerklasse I ohne Kinder, gesetzlich krankenversichert mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag. Sein Bruttomonatsgehalt beträgt 4.784 € (das durchschnittliche Vollzeitgehalt in Deutschland laut Destatis, April 2025).
Schritt 1: Lohnsteuer berechnen. Bei Steuerklasse I und 4.784 € brutto monatlich liegt die Lohnsteuer etwa bei 800–900 € (abhängig von Freibeträgen). Der Solidaritätszuschlag entfällt bei diesem Einkommen meist.
Schritt 2: Sozialabgaben. KV 8,75 % = 418,60 €, RV 9,3 % = 444,91 €, AV 1,3 % = 62,19 €, PV 2,4 % = 114,82 €. Summe Sozialabgaben: ca. 1.040 €.
Schritt 3: Netto = Brutto – Lohnsteuer – Soli – SV-Beiträge. Grob geschätzt: 4.784 € – 850 € – 0 € – 1.040 € = 2.894 €.
Das tatsächliche Netto kann je nach Krankenkasse und Zusatzbeitrag leicht abweichen. Mit dem Brutto-Netto-Rechner erhältst du eine genaue Berechnung für deine persönliche Situation.
Netto bei Mindestlohn
Ab 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro pro Stunde. Bei einer 40-Stunden-Woche ergibt das ein Bruttomonatsgehalt von etwa 2.410 Euro. Für einen ledigen Arbeitnehmer in Steuerklasse I ohne Kinder liegt die Lohnsteuer bei diesem Einkommen nahe null (wegen Grundfreibetrag von rund 12.348 Euro jährlich). Die Sozialabgaben fallen jedoch an. Netto bleiben dann etwa 1.800–1.900 Euro. Auch hier gilt: Der Brutto-Netto-Rechner gibt dir eine genaue Auskunft.
Steuerklassen und ihre Auswirkungen
Die Steuerklasse bestimmt maßgeblich die Höhe der Lohnsteuer. Es gibt sechs Steuerklassen:
- Steuerklasse I: Ledige, Geschiedene, dauernd getrennt Lebende
- Steuerklasse II: Alleinerziehende mit Kind
- Steuerklasse III: Verheiratete mit höherem Einkommen (Partner in Klasse V)
- Steuerklasse IV: Verheiratete mit ähnlichem Einkommen
- Steuerklasse V: Verheiratete mit geringerem Einkommen (Partner in Klasse III)
- Steuerklasse VI: Zweit- und Nebenjobs
Je nach Steuerklasse kann das Netto stark variieren. Ein Verheirateter in Klasse III mit 4.784 € brutto hat beispielsweise eine deutlich niedrigere Lohnsteuer und damit ein höheres Netto als ein Lediger in Klasse I.
Fazit
Die Frage "was ist brutto was ist netto" lässt sich leicht beantworten: Brutto ist der Ausgangsbetrag, Netto das, was nach allen gesetzlichen Abzügen übrig bleibt. Die genaue Höhe hängt von deiner persönlichen Situation ab. Nutze unseren Ratgeber für weitere Tipps und den Rechner für eine individuelle Berechnung. Denk daran: Die hier genannten Werte sind Schätzwerte und ersetzen keine Steuerberatung.
Selbst nachrechnen
Beispielorientierung bei etwa 4.500 € brutto (Steuerklasse I).
Abzugswasserfall
Vom Brutto zum Netto
Ziehe am Brutto und wechsle die Steuerklasse — die Abzüge fließen sichtbar ab.
Steuerklasse
Netto / Monat
2.513 €
Abzüge
1.987 €
Schätzung für 2026 (gesetzliche KV, Ø-Zusatzbeitrag). Kein Ersatz für die Entgeltabrechnung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto?
Brutto ist dein Gehalt vor Abzügen, Netto der Auszahlungsbetrag nach Steuern und Sozialabgaben.
Wie viel Netto bleibt von 4000 Euro Brutto?
Bei Steuerklasse I, ohne Kinder, gesetzlich krankenversichert, bleiben etwa 2.500–2.600 Euro netto. Genaue Werte liefert der Brutto-Netto-Rechner.
Welche Abzüge gibt es vom Bruttogehalt?
Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, ggf. Kirchensteuer, sowie Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.